Aufsätze und Materialien zu Medien & Gesellschaft

- zum internen Gebrauch in meinen Lehrveranstaltungen // www.medien-gesellschaft.de

zusammengestellt
von
Klaus Wolschner


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VR Titel Kopie

- Texte über die Mediengeschichte der Schriftkultur und ihre Bedeutung für die menschliche Wirklichkeits-
Konstruktion im „Jahrhundert des Auges“
ISBN 978-3-7375-8922-2
im Buchhandel
oder beim Autor

3 AS neu 200

Wie wir wahrnehmen,
was wir sehen

ISBN 978-3-7418-5475-0
im Buchhandel oder beim Autor  klaus@wolschner.de

Impressum

lesenswerte Texte zur

 Schrift-Sprache und die Kultur des Lesens

In 40.000 Jahren oraler Kultur hat der homo sapiens über Mechanismen individuellen und kulturellen Lernens verfügt, aber wenig Wissen akkumulieren können. Ohne schriftliche Fixierung ist das, was wir heute denken, möglicherweise morgen schon wieder vergessen. Das persönliche Gedächtnis ist begrenzt, selbst bei den alten Griechen, die bewundernswerte Mnemotechniken, Versmaße, Reime und melodische Gedächtnisstützen entwickelt haben. Das erreichbare Kulturniveau eines einzelnen Menschen hing davon ab, wie viel ihm die wenigen pädagogischen Bezugspersonen und Lehrer mitgeben konnten. Ein besonderes Kulturniveau starb mit dem Menschen, der es erreicht hatte, auch wieder.

Mit der Erfindung der Schrift begann seit rund 5.000 Jahren eine Akkumulation kultureller Fertigkeiten und kulturellen Wissens. Erst Schrift ermöglicht ein festes, „objektives“ und kollektiv verfügbares Gedächtnis und damit die Ausnutzung des kognitiven „Ratschen”- oder „Wagenheber”-Effektes (Tomasello), durch den die Menschheit ihre kulturelle Entwicklung immer höher schrauben konnte. 
Die Fähigkeit des Lesens greift auf die alte neurophysiologische Funktionalitäten unseres Gehirns zurück (Wahrnehmung ikonisches Symbole) und ermöglicht es, kollektiv akkumulierte Kenntnisse individuell anzueignen. Erst der „Wagenheber“-Effekt, den der Wissens-Speicher Schrift ermöglichte, konnte zur beschleunigten kulturellen Entfaltung des homo sapiens führen. 
 

Ernst Pöppel: Was geschieht beim Lesen? Lesen als Kulturtechnik ist eine kreative Leistung des menschlichen Gehirns, die aber durch einen Missbrauch desselben erkauft wird (2009)
           
 http://www.bpb.de/apuz/31695/was-geschieht-beim-lesen?p=all

Stanislas Dehaene: Lesen. Die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert, München 2010 (2009)  Rezension aus der FAZ

Alexander Grau: Sprache, Denken, Emotionen (2008) http://fsf.de/data/hefte/ausgabe/45/grau016_tvd45.pdf

Ivan Illich, Barry Sanders: Das Denken lernt schreiben. Lesekultur und Identität (dt. 1988)

Eric A. Havelock: Als die Muse schreiben lernte
                      
Eine Medientheorie zu Oralität und Literalität (2007, engl. 1986)
Walter J. Ong: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1987)
Jack Goody: Die Logik der Schrift und die Organisation von Gesellschaft (1990; engl. The Logic of Writing, 1986)
Wolfgang Raible: Die Semiotik der Textgestalt. Erscheinungsformen und Folgen eines kulturellen Evolutionsprozesses (Abhandlungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 1991)
    online: http://www.romanistik.uni-freiburg.de/raible/Publikationen/Files/1991_Semiotik_der_Textgestalt.pdf
Wolfgang Raible:
 Zur Entwicklung von Alphabetschrift-Systemen. Is fecit cui prodest, (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 1991)
     online:
http://www.romanistik.uni-freiburg.de/raible/Publikationen/Files/1991_Entwicklung_Alphabetschriften.pdf

 

Texte auf meiner Seite www.Medien-Gesellschaft.de:

Die Erfindung der Alphabetschrift 
     http://www.medien-gesellschaft.de/html/alphabetschrift.html

Phonetische Schrift und griechisches Denken
     http://www.medien-gesellschaft.de/html/schrift-denken.html

Wozu brauchten die Ägypter Hieroglyphen?   
      http://www.medien-gesellschaft.de/html/wozu_hieroglyphen.html

Die Kultur des Lesens in der griechisch-hellenistischen Welt 
     
aus: Chartier / Cavallo, Die Welt des Lesens  Griechische Lesekultur

Die Kultur des Lesens im römischen Reich
     
aus: Chartier / Cavallo, Die Welt des Lesens  Römische Lesekultur

Der Untergang der antiken Kultur aus: Bergmeier: Schatten über Europa (2011) Link Bergmeier

Byzanz oder: Die Vernichtung der antiken Kultur im christlich-lateinischen Raum war nicht alternativlos  Byzanz
     Auszüge aus: Chartier / Cavallo, Die Welt des Lesens und 
                      Prinz, Von Konstantin zu Karl dem Grossen

Schriftkultur im Mittelalter  Schriftkultur im MA

Klösterliche Lesepraktiken als Kommunikation der Seele mit Gott
     
aus: Chartier / Cavallo, Die Welt des Lesens  Monastische Lesekultur

Lese-Revolution im Hochmittelalter 
     
aus: Chartier / Cavallo, Die Welt des Lesens Lesen im Hochmittelalter

Gutenberg umzu - die Erfindung des Buchdrucks als Kristallisationspunkt einer kulturellen Revolution
   
http://www.medien-gesellschaft.de/html/gutenberg_umzu.html

Vor Gutenberg - die Verschriftlichungsrevolution als Vorbereitung des Buchdrucks
     
 Vor Gutenberg 

Invasion des Alphabets in die lautorientierte Sprache. Luther und die Folgen
  
(Zusammenfassung von KW)  Schriftsprache

Die Reformation als Medienereignis Reformationᅠ  

Lese-Sucht - über die Gefahren der „Bücherfluth” und die Kritik des Lesen im 18. Jahrhundert(Zusammenfassung von KW) Lese-Sucht

 

Krise des Lesens?

Zur medizinischen Psychologie der Reizüberflutung einige Hinweise hier

Im späten 18. Jahrhundert sorgten sich kritische Zeitgenossen über die zunehmende „Lesesucht”, die sie insbesondere bei Frauen diagnostizierten. siehe Lesesucht

Die Analyse der „modernen Nervosität” beschäftigte schon die psychologisch interessierten Menschen der Jahrhundertwende. Sigmund Freud referierte 1908 die Diskussion in seiner Schrift „Die ›kulturelle‹ Sexualmoral und die moderne Nervosität”. Auszüge hier

Eine aktuelle Medienkritik der elektronischen „Reizflut” hat der Leipziger Philosoph 
Christoph Türcke mit seinem Buch „Erregte Gesellschaft. Philosophie der Sensation” vorgelegt. Zusammenfassung  hier

Menschliche Kultur hat ihren Ursprung in der mentalen Integration medialer Fiktionen, wie Türcke beschreibt und der evolutionsbiologische Ansatz von Schwender, Eibl etc medientheoretisch systematisiert vgl. meine Zusammenfassung  Medien-Fiktionen